Besorgt macht sich Meo auf die Suche nach ihren Eltern, weiss jedoch noch nicht, was sie dort draußen im Ödland schlussendlich suchen wird.
Ein Atmosphärenwerk voll Gleichnissen um endzeitlichen Wahn und das dritte Testament.
ISBN 978-3-935660-48-8
9,90 €
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Leseprobe
Prolog
Das Blatt wehte stetig im Wind. Ein flacher Wind war es, der diesen wunderschönen Morgen berührte. Schwach… aber unvergleichlich, einzigartig. Es war grün, mit kleinen Härchen besetzt. Es musste wohl in der letzten Nacht geregnet haben. Regen… dass Wasser von oben kam, aus dem blauen Zelt über ihr, konnte sie sich immer noch nicht vorstellen. Nachzulesen war es… aber… glaubwürdig? Ein letzter Tropfen des Elementares rollte über das Blatt und drückte es ein wenig in die tiefe, nicht gewaltsam, vorherbestimmt. Das grüne Etwas wich dem schimmernden Blau. Für einen Moment. Das Licht der Sonnenscheibe am Himmelszelt reflektierte sich im Wasser, wie in einem Kristall, hunderte Farben, hunderte wunderschöne Farben trafen in ihr Auge. Durch das Glas war nicht alles so klar zu erkennen, doch erahnen konnte sie etwas nie da gewesenes. Etwas, dass sie niemals in ihrem Leben fühlen, leben, lieben dürfen sollte.
Zögernd hob sie die Hand. Langsam, ganz langsam näherten sich ihre Finger dem Blatt. Sie wollte es fühlen, dieses unglaubliche Leben.
Der Tropfen fiel, fiel aus ihrem Blickfeld. Doch sie sah nichts anderes mehr, als dieses Blatt. Erleichtert erhob es sich wieder ein Stück. Erleichtert, von einer Last, die keine war. Eine Last die dazugehörte, vollkommen und ausgeglichen war. Zaghaft berührten die Plastikhandschuhe das Blatt. Sie atmete ein. Ihre Finger fuhren über die winzigen Härchen, bis an den Stängel. Sie wollte es nicht zerstören. Diese zierlichen kleinen Hände waren erschaffen, geboren um zu zerstören. Doch sie wollte es nicht. Vorsichtig streichelte sie ein weiteres Mal über das Grün. Sehnsucht breitete sich in ihr aus. Sie wusste, dass sie es nicht tun konnte, es nicht tun durfte, doch… sie wollte aufgehen, sich diesem Blatte hingeben und wenn es sein musste, sich selbst opfern.
Wie in Trance zog sie den Handschuh von ihren Fingern. Sie streifte ihn ab, achtete nicht darauf, wie er plump zu Boden, ins feuchte Gras, fiel. Wieder näherte sie sich erst zaghaft, dann aber vertraut der verbotenen Schönheit. Der Hauch von Berührung war wie eine farbige Explosion von Gefühlen in ihr. Ein Schauer lief ihr über die Arme, über den Rücken, bis tief in die Zehenspitzen.
Kurz zitternd, dann ruhiger fuhr sie abermals über dass unten glatte, oben sanfte Etwas.Die Augen geschlossen, legte sie den Kopf in den Nacken. Sie wollte tief einatmen, doch die Filter ihrer Gasmaske verhinderten es. Ohne viele Gedanken zu verlieren wusste sie, auch dieses Opfer musste sein. Das Blatt nicht loslassend, öffnete sie die Verschlüsse. Ein leises Zischen drang durch die Büsche, Bäume und Gräser. Auch die Maske fiel dumpf. All dies hörte sie nicht. Tief sog sie die frische Luft in sich hinein. Öffnete Mund und Geist. Sie wollte so viel von all dem aufnehmen, wie sie nur konnte. Das sanfte Kribbeln in ihren Fingern, die Luft, die ihren Körper durchdrang. Sie öffnete die Augen, das grelle Licht waren sie nicht gewohnt. Blinzelnd wendete sie sich wieder dem Grünen in ihrer Hand zu. Auf eine Weise war es ihr Blatt, doch… sie spürte kein Verlangen mehr, zu besitzen. Vielleicht war es auch so… dass sie, dem Blatt gehörte. Ihre grünen Augen glitzerten im Licht, wie zuvor der Tropfen des nassen Lebenselementes. Doch sie leuchteten nicht nur durch das natürliche Licht. Voller Faszination starrte sie auf das Blatt.
So saß sie da, im Gras, wie lange konnte sie nicht sagen, wie lange, war nicht mehr wichtig. Ein weiterer Tropfen fiel auf das Blatt hinab und wand sich um ihren nackten ungeschützten Finger. Überrascht ließ sie das Blatt los und betrachtete lange Zeit den Tropfen. Dann… beugte sie sich vor… und berührte das Wasser mit ihren Lippen. Das Blatt kitzelte sie, doch sie ließ das flüssige Blau über ihre Zunge gleiten, spürte jede Berührung dieses winzig kleinen Tropfens in ihrem Mund.
Zaghaft, schluckte sie. Ihr war schwindelig und sie wusste, es war Zeit. Zeit, zu gehen.
Langsam richtete sie sich auf, drehte sich zum Wald, atmete noch einmal tief ein, und schritt ihm entgegen. Während sie ging, öffnete sie den Reisverschluss ihres Anzuges, streifte die harten Stiefel ab, und warf den weißen künstlichen Anzug ebenso hinter sich, wie alles andere, was ihre weiße unberührte Haut verdeckte.
Dann… öffnete sie die Arme… und verschwand im Wald.
Leseprobe vom Verlag 
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Prolog - der Film
zum Film
Inspiriert von Milan Pawlowskis Novelle "Meo oder Das Ende vom Anfang", handelt es sich bei diesem Kurzfilm keinesfalls um eine direkte Umsetzung des Prologs, sondern um eine Darstellung der Atmosphäre.
Zum ersten mal Präsentiert wurde der Kurzfilm auf der Eröffnungslesung in Köln. Weiterhin lief er unter anderem beim Essener Kurzfilmmatineé August und dem Kurzfilmabend "Visions meet Screens" im Dinnerclub zu Köln.
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