Falle, doch liege nie am Boden

27. Mai 2007

In unendlicher Schönheit riss er die Arme nach hinten. Nach vorn brach die nackte Brust heraus und aus seinem Rücken falteten sich zwei prächtige gespreizte Flügel.
Ein kurzer Moment der Stille, dann rannte er los. Ernst und Stolz auf seinem Gesicht.
Als die ersten Messerstiche seine Brust durchbohrten blieb er nicht ruhig und gelassen. Er schrie, weinte und verzweifelte. Doch voller Mut und Lebenssicherheit rannte er weiter, durchlöchert und doch am Leben.
Dann plötzlich den Fuß an einer Klippe.
Wieder Ruhe.
Ein Dröhnen im Ohr, dass er kein anderes Geräusch als den des pochenden Blutes vernehmen konnte. Kurz schwankte er, dann schlug er die Flügel nach vorn, nicht aus Schutz, nein, als Gewicht, dass es ihn endlich in die Tiefe riss, hinab, die Klippe hinunter. Dann, im Fallen, breitete er sie wieder aus, nach hinten, windschnittig… und die Brust, zerschunden doch immer noch so stark die Schrecknisse des Lebens mit Stolz und Zuversicht zu ertragen, nein auszuleben, vollkommen auszukosten, nach vorn.

“Falle, doch liege nie am Boden.”



Milan Pawlowski

 


  Veröffentlichungen
Kainsengel - Roman
Meo - Novelle
Freisam - Gedicht

Texte
An die neuen Dichter des Landes
Unsichtbar
Brüder und Schwestern
Falle, doch liege nie am Boden
Das Träumerding

Gedichte

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Und doch künstelt der Atem
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Definition: Sinn des Lebens
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