Das Mädchen auf dem Boden
Es war schon früher Morgen, die ersten Vögel zwitscherten und alles war in rotes Licht getaucht. Auf meinem Weg nach Haus, kurz vor den großen Glasgebäuden, saß da ein kleines Mädchen auf dem Boden. Sie war recht unscheinbar, wie sie da hockte, vor dem gewaltigen Bürokoloss. Säulen wuchsen hier gen Himmel, ganz aus weißem Glas gemacht.
Das Mädchen war noch jung und hatte eine glatte schöne Haut. Man sah jedoch nicht viel ihres Gesichts, denn über ihrem Kopf ragte ein Tuch, dass sie verdeckte ganz und gar und in der Hitze schmoren lies.
Ich blieb nicht stehn, ging nicht vorbei, verlangsamte die Schritte um zu beachten, wie sie leis summend mit zwei Steinen spielte und ganz versunken einen beider lang betrachtete.
Sie war in einer Welt gefangen, hinein geboren mit Gewalt, und hatte wenig Freiheit zu erleben. So reduzierte sie… die große Welt auf einen kleine feine. Auf eine Welt der Ameisen und Tierchen auf dem Boden, auf Kleinigkeiten in den Blättern alter Bäumen, in den Furchen von Tapeten und in ihrer viel zu großen Sporttasche. Dort war sie frei. Sie lebte und entdeckte Abenteuer. Dort war sie viel mehr Kind, als ihre Eltern und die Menschen, die sie traf, ihr jemals zugestehen würden.
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