Ein Rosengarten
Im Sommer ging ich noch im Rosengarten
Die Geliebte an der Hand
An all den Blumen und verzierten Beeten streifend.
Wie eine große Feste steht sie da.
Die hohe Mauer, die man obenauf bedeckte.
Mit vielen Rosen aller Arten,
Mit Büschen, Bänken und geschmückten Wegen.
Heute, da ich vor verschlossnem Tore steh
Jene großen Stufen nur durch Zaun und Gitter sehen kann
Die mich weit hinauf auf Mauers Zinnen führen sollten.
Bleibt mir jeder Zugang, ja, jeder Blick
Auf die sommerliche Pracht, verwehrt.
Weshalb bleibt ein vergartes Beet verhüllt?
Verfall und Kälte legen Jahresende an die Rosen
Bis sie zum Schluss nur Staub und Erde sind.
Im Herbst zerrieben und verstreut,
die Überbleibsel im Winter zerdrückt.
Wenn Grund und Boden unter Schnee verdeckt,
die Rosen, nie zu sehen, nur ihr Schein noch zu erahnen.
Schließt der Gärtner unter großen Mühen das metallne Tor
Und hängt mit äußerstem Bedacht Ketten und ein schweres Schloss davor.
Es stimmt.
Grausam klingt der Lebenswandel.
Grausam die Natur.
Was ist jedoch mit jenen,
die vorm Entschwinden eines wachen bunten Lebens
Weder Furcht noch Trauer finden?
Weshalb bleibt jenen ganz und gar verwehrt,
die schneebedeckten Felder an zu schaun?
Auf denen doch im Frühling Liebe blüht.
Warum nicht auch im Winter sich an schöne Zeit erinnern?
Wenn auch in bibbernd Haltung,
Dicke warme Kleider um den Leib geschlungen.
Und am weißen Feld, vielleicht auf einer Parkbank hockend.
Gar nicht lang.
Nur für den besondren Augenblick
Die Luft mit Genuss tief in sich atmen.
Und sei es drum.
Mag es dann auch nur die Erinnerung sein
Die einen doch, mit voller Achtsamkeit und deutlichem Empfinden
den Duft von Rosen wittern lässt.
Milan Pawlowski

