Neunter November Zweitausendneun. Die fixen Ideen werden viel weniger, das Leben nimmt einen in seinen Bann. Die Trauer und Trance verschenkt sich und opfert sich auf, an das vollkommene Dasein. Leben in Liebe. Denken mit Sinn und achtsamer Aufmerksamkeit.
Erwachsen werden ist es wohl, wenn man um kurz nach 23 Uhr in Anzughose und Kapuzenpulli auf seine Freundin an der Haltestelle wartet. Die Hände in den Hosentaschen. Jugendliche beobachtend. Und trotz keiner Mine im Gesicht, die Nacht genießen. Vielleicht ein weises, altkluges Lächeln. Im richtigen Moment aber, ein Strahlen in den Augen beim Einatmen der frischen kalten Luft.
Die Weite des Himmels. Und nur ein Schild ragt in ihn rein.
Ein Schild bedeutet eine helle Plane, aufgespannt.
Von nur zwei Stäben fest gehalten und gestreckt.
Fest geschnürt und fest gekurbelt.
Würde man sie strenger ziehen, drohte sie zu reißen.
Bücher sind schon etwas wunderbares. Man legt die Füße obenauf und glaubt die Klugheit flöße einem die Beine hinauf bis ins Gehirn. Es hat noch etwas greifbares in der Schrift und Sprache. Nicht alles ist eine Notiz, zwischen der Arbeit, in einen Blog gekritzelt.
Erstmal speichern, als Entwurf. Solang wir über Bücher schreiben ist noch alles gut.
Oder doch wieder nur Nostalgie? Was solls. Schließlich mögen wir auch Polaroid Effekte.
Eventuell wirst du ein besserer Autor, wenn du aufhörst in Bildern zu denken.
Der Mann, der vor dir läuft und die Plastiktüte vom Kiosk in der Hand hält, inspiriert durch seine milde erscheinende Aura. Ein grün bestrahltes Werbeplakat erhellt seine Silhouette und der Rest seiner Kleider ist schwarz.
Er ist in meinem Auge wie auf einem Foto, dass sich, dächte man nur genug darüber nach, in einen Film verwandeln würde.
Kaum nimmt man einen Ton auf, wandelt sich die Musik vom schönen Strassenschauspiel in wilde lärmende Autobahnen. Das Bild sieht aus dem Blick noch immer aus wie vorher. Die Musik hab ich mit meinem Telefon zerstört. “Rot” steht für Aufnahme. Die Aufnahme reißt die Musik aus den Händen des Orkesters. Denn ein Zirkus steht an der Bahnhaltestelle. Im Zelt dicke Männer in Anzug, die in ihre Instrumente blasen.
Weil ihr hier alle, die ihr sitzt und steht.
Ein dummes Lächeln auf den Lippen und mit schweigendem Humor nicht nur die Welt vergesst, nein auch
das eigne traurig kümmerliche Dasein.
Der Geist, den ihr in Köpfen tragt verbrennt nicht, nein, er ist schon Asche.
Und Sturm und Drang verflogen.
Keiner Weisheit nur gewichen.
Nein, mit aller Weisheit Unverstand, verbannt.
Und übrig bleibt nur Angst.
Es war schon früher Morgen, die ersten Vögel zwitscherten und alles war in rotes Licht getaucht. Auf meinem Weg nach Haus, kurz vor den großen Glasgebäuden, saß da ein kleines Mädchen auf dem Boden. Sie war recht unscheinbar, wie sie da hockte, vor dem gewaltigen Bürokoloss. Säulen wuchsen hier gen Himmel, ganz aus weißem Glas gemacht.